Presseinformation des Innovationsnetzwerks SDKW

Erst prüfen, dann entscheiden

SDKW setzt auf gemeinsame Planung großer Rechenzentren

Stromversorgung, Kühlung, Wasserbedarf und Abwärmenutzung sollten bereits bei der Standortentwicklung gemeinsam betrachtet werden.

Baden-Baden, 22.09.2026 – Neue Rechenzentren benötigen leistungsfähige Stromanschlüsse und zuverlässige Kühlung. Zugleich entsteht im Betrieb Abwärme, die zur Wärmeversorgung von Gebäuden, Quartieren und Unternehmen beitragen kann. Das internationale ZIM-Innovationsnetzwerk SDKW setzt sich dafür ein, diese Zusammenhänge bereits bei der Standortentwicklung zu berücksichtigen. Ein frühzeitiger Austausch zwischen Kommunen, Rechenzentrumsbetreibern und regionalen Energieversorgern hilft, Chancen und Grenzen am jeweiligen Standort realistisch einzuschätzen.
Der Ausbau künstlicher Intelligenz erhöht den Bedarf an leistungsfähigen Rechenzentren. Damit wachsen auch der Strombedarf, die erforderliche Kühlleistung und – abhängig vom Kühlkonzept – der Wasserverbrauch. Ob die anfallende Abwärme sinnvoll genutzt werden kann, hängt von den örtlichen Voraussetzungen ab. Entscheidend sind unter anderem geeignete Abnehmer, erreichbare Wärmenetze und klare Zuständigkeiten für Finanzierung und Betrieb.
„Die Herausforderungen großer Rechenzentren verdienen eine sorgfältige Betrachtung. Gleichzeitig lohnt es sich, die Möglichkeiten für die regionale Wärmeversorgung frühzeitig zu prüfen. Wir möchten die Beteiligten zusammenbringen und gemeinsam klären, was am jeweiligen Standort sinnvoll und machbar ist. Unser Ziel sind fundierte Entscheidungen auf Grundlage belastbarer Fakten“, sagt Annabelle Gaier-Willmann, Netzwerkmanagerin von SDKW.

   Die Wärmewende beginnt dort, wo Energie heute ungenutzt verloren geht!      

Abwärme braucht geeignete Infrastruktur

Rechenzentren geben im Betrieb kontinuierlich Wärme ab. Für deren Nutzung braucht es Gebäude oder Unternehmen, deren Wärmebedarf zur verfügbaren Abwärme passt. Besonders außerhalb dicht besiedelter Gebiete sind geeignete Abnehmer in unmittelbarer Umgebung nicht immer in ausreichendem Umfang vorhanden. Zudem fällt Rechenzentrumsabwärme häufig auf einem niedrigen Temperaturniveau an und kann deshalb nicht ohne Weiteres in konventionelle Wärmenetze eingespeist werden.
Eine Möglichkeit bieten kalte Wärmenetze. Sie können Rechenzentren mit Gebäuden, Quartieren sowie Gewerbe- und Industriebetrieben verbinden. Dezentrale Wärmepumpen stellen bei den jeweiligen Abnehmern das erforderliche Temperaturniveau bereit.
Eine solche Infrastruktur lässt sich schrittweise erweitern. Im Rahmen ihrer technischen Kapazitäten können zusätzliche Wärmequellen sowie weitere Wärme- und Kälteabnehmer eingebunden werden. So kann aus einer lokalen Lösung langfristig eine regionale Wärme- und Kälteinfrastruktur entstehen.

Eis-Energiespeicher können Spitzenlasten abdecken

Wärme- und Kältebedarf können innerhalb eines thermischen Netzes kurzfristig schwanken. Eis-Energiespeichersysteme können dazu beitragen, diese Schwankungen auszugleichen und Spitzenlasten abzudecken. Welche Speicherkapazität und Leistung sinnvoll sind, hängt vom konkreten Lastprofil, den angeschlossenen Verbrauchern und der technischen Auslegung des Netzes ab.
In die Arbeit von SDKW fließt dabei die Erfahrung von Alexander von Rohr ein. Der geschäftsführende Gesellschafter der caldoa GmbH verfügt über langjährige Erfahrung in der Entwicklung, Planung und Umsetzung von Eis-Energiespeichersystemen.

Fünf Fragen für die Standortentwicklung

SDKW berät und unterstützt Rechenzentrumsbetreiber und Kommunen bei der Entwicklung geeigneter Wärme- und Kältelösungen. Das Netzwerk begleitet bereits konkrete Vorhaben, bei denen die Einbindung von Rechenzentrumsabwärme in regionale Energiesysteme untersucht wird.

Für eine erste Bewertung stehen fünf Fragen im Mittelpunkt:

  • Welche elektrische Leistung benötigt das Rechenzentrum, und wie lässt sich der Netzanschluss sicherstellen?
  • Welche Kühltechnik ist vorgesehen, und welcher Wasserbedarf ergibt sich daraus?
  • Welche Abwärmemengen stehen auf welchem Temperaturniveau zur Verfügung?
  • Welche geeigneten Wärme- und Kälteabnehmer sind erreichbar?
  • Wer kann die thermische Infrastruktur finanzieren, errichten und betreiben?

Auf dieser Grundlage lassen sich passende Netz-, Wärmepumpen- und Speicherkonzepte entwickeln sowie technische Schnittstellen und organisatorische Zuständigkeiten klären. Die Verfügbarkeit und Betriebssicherheit des Rechenzentrums haben dabei jederzeit Vorrang.

Ein Rechenzentrumsbetreiber muss dafür nicht selbst zum Betreiber eines kommunalen Wärme- und Kältenetzes werden. Finanzierung, Bau und Betrieb der thermischen Infrastruktur können beispielsweise eine eigenständige Betreibergesellschaft oder andere geeignete Partner übernehmen. Die passende Aufgabenverteilung wird für jeden Standort individuell entwickelt.

Frühzeitiger Austausch schafft Planungsspielraum

Wer die Abwärmenutzung bereits bei der Standortentwicklung berücksichtigt, kann mögliche Abnehmer, Leitungstrassen, technische Schnittstellen und benötigte Flächen von Anfang an einbeziehen. Wird erst nach der Fertigstellung eines Rechenzentrums nach Nutzungsmöglichkeiten gesucht, lassen sich wesentliche Entscheidungen häufig nur mit erheblichem Aufwand verändern.

Auch bei konsequenter Abwärmenutzung bleibt ein Rechenzentrum ein erheblicher Stromverbraucher. Unter geeigneten Bedingungen kann es jedoch zusätzlich einen Beitrag zur regionalen Wärmeversorgung leisten. Eine gemeinsame Planung der digitalen und thermischen Infrastruktur hilft, dieses Potenzial zu bewerten und nutzbar zu machen.

SDKW bietet Kommunen und Rechenzentrumsbetreibern einen ersten strukturierten Austausch an. Gemeinsam können die Beteiligten die Voraussetzungen am Standort betrachten, Potenziale einordnen und die nächsten Prüfschritte festlegen.

Über SDKW

SDKW steht für „Steuerung und Digitalisierung kommunaler (kalter) Wärmenetze“. Das internationale ZIM-Innovationsnetzwerk verbindet Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Deutschland und der Schweiz.
Die Netzwerkpartner entwickeln technische und digitale Lösungen, um bislang ungenutzte Abwärme über kalte Wärmenetze und Wärmepumpen für die Wärme- und Kälteversorgung von Gebäuden, Quartieren, Gewerbe und Industrie nutzbar zu machen. SDKW unterstützt Kommunen und Rechenzentrumsbetreiber von der Analyse der Standortbedingungen über die Entwicklung technischer und organisatorischer Konzepte bis zur Vorbereitung und Begleitung konkreter Projekte.
Das Netzwerk wird im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert. Das Netzwerkmanagement liegt bei der Steinbeis Innovation & Management GmbH.

Pressekontakt für weitere Informationen und Bildmaterial

Annabelle Gaier-Willmann

Netzwerkmanagerin SDKW
Steinbeis Innovation & Management GmbH

Telefon: +49 (0) 7221 337 18
E-Mail: ag@steinbeis-innovations.de
Web: www.steinbeis-innovations.de/sdkw

SDKW Partner

Dieses Netzwerk wird gefördert durch ZIM zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des BMWE – Innovationsnetzwerke 
Förderzeitraum 01.08.2025 – 31.07.2028